Montag, 18.11.2019 19:52 Uhr

Windsurf World Cup Sylt 2019 und Green Seven Summit

Verantwortlicher Autor: ACT Agency Westerland, 01.10.2019, 13:14 Uhr
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Westerland [ACT Agency] Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 km/h gab es beim Mercedes-Benz Windsurf World Cup 2019 auf Sylt am Montag jede Menge Windsurf-Action auf dem Wasser bis zum Einbruch der Dunkelheit: Im stürmischen Nordwest-Wind konnte am Morgen der vierfache Weltmeister Philip Köster (G-44) mit spektakulären Sprüngen bis ins Finale der Single Elimination vorstoßen, wo er Thomas Traversa (F-3) aus Frankreich unterlag.

In der Rückrunde, genannt Double Elimination, verlor Köster allerdings gegen Marcilio Browne (BRA-105), der mit den herausfordernden Bedingungen deutlich besser zurechtkam. Der Brasilianer surfte sich durch die gesamte Rückrunde und schlug mit seinen doppelten Loopings unter anderem den amtierenden Weltmeister Victor Fernandez (E-42) aus Spanien. Für Köster ist der 3. Platz dennoch ein Grund zur Freude: „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Performance, es hat fast alles perfekt gepasst, so ist das eben auf Sylt mit dem Wind und der Strömung. Ich bin sehr happy mit dem Ergebnis.“ Der Deutsche hat damit die Führung der Weltrangliste übernommen und geht als Erster in das Saisonfinale der Welttour auf Maui.

Im Finale der Sieger musste sich Browne nach insgesamt mehr als 100 Minuten auf dem Wasser dem ausgeruhten Traversa geschlagen geben, der einmal mehr exzellente Wellen surfte und so schnell seine Titelverteidigung auf Sylt unter Dach und Fach brachte. Bei den Wave-Damen ließ sich Sarah-Quita Offringa (ARU-91) aus Aruba den Sieg in der Double Elimination nicht mehr nehmen. Obwohl Maaike Huvermann (NED-108) bis ins Finale vorstieß und dabei auch Lina Erpenstein (G-423) auf Platz 4 verwies, war die neue Weltranglistenführende Sarah-Quita Offringa zu stark. Justyna Sniady (POL-1111) wurde Dritte. Steffi Wahl (G-303) erreichte nach langer Verletzungspause den 6. Platz, da sie im Heat gegen Iballa Ruano Moreno (E-63) verloren hatte.

Auf der Klimaschutz-Veranstaltung Green Seven Summit, die derzeit anlässlich des Mercedes-Benz Windsurf World Cup Sylt in Westerland stattfindet, hielten mit Prof. Dr. Maja Göpel, Generalsekretärin des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung und Mitglied des Club of Rome, und Prof. Dr. Karen Wiltshire, Stellvertretende Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts und Mitgründerin von „Scientists for Future“, zwei hochkarätige Wissenschaftlerinnen beeindruckende Vorträge. Klimaleugnern erteilten die beiden Professorinnen eine klare Absage. „Wissen hat nichts mit Meinung zu tun. Fakt ist: Es wird immer wärmer. Und die einzige Stellschraube, die wir noch haben, ist CO2. Wir dürfen uns nicht mit Diskussionen aufhalten“, forderte Wiltshire.

Zum Klimapaket der Bundesregierung sagte Göpel: „Wenn wir uns angucken, wo CDU und SPD vor einem Jahr standen, dann ist es wahnsinnig, was passiert ist. Und wir akzeptieren, wenn es für diese Regierung das einzig Machbare war. Aber unser Job als Wissenschaftler ist es auch zu sagen, es kann nicht als großer Wurf verkauft werden, wenn wir seit 30 Jahren Empfehlungen aussprechen, wie eine CO2-Steuer eigentlich aussehen müsste, damit sie der Wirtschaft den Impuls gibt, neue Märkte zu schaffen, und dann so ein Entwurf dabei herauskommt.“

Am Ende appellierte Göpel an alle Zuhörer: „Wir brauchen eine Neujustierung des menschlichen Selbstbildnisses. Wir müssen uns fragen, was wollen wir bewahren und was wollen wir ändern. Wir brauchen Ehrlichkeit for Future!“ Karen Wiltshire machte deutlich, dass der Klimawandel bereits jetzt ganz konkrete Folgen für die Nordsee hat. Während vor dem Zelt die besten Windsurfer der Welt den Wellen trotzten, sprach sie über den Zustand dieses Elements: „Kein Meer hat sich so verändert wie die Nordsee. Wir konnten sehen, dass sie sich doppelt so schnell erwärmt wie die globalen Ozeane. Seit 1987 haben wir einen mittleren Temperaturanstieg von 3,6 Grad beobachtet. Da ist nett, wenn man badet. Aber nicht so nett, wenn man ein Ökosystem ist.“

Die Wissenschaftlerin, die am Alfred-Wegener-Institut in List forscht, machte deutlich, was dies für die nördlichste Insel Deutschlands bedeutet: „Sylt ist vom Anstieg des Meeresspiegels extrem betroffen. Wenn der Meeresspiegel weiter ansteigt, werden wir kein Watt mehr haben. Wir müssen Küstenschutz und Naturschutz verbinden, um das Wattenmeer zu schützen! Der Tidenhub hat um 50 Prozent zugenommen. Das gefährdet das Seegras – eine ganz wichtige Brutstätte für viele Vögel.“ Noch sei ein Umlenken möglich: „Sylt ist in der Lage, voraus zu denken und zu planen zu können. Wir müssen nun einen guten Plan machen. Und das ist keine Quantenphysik. Es ist machbar – eine minimalistische, planerische, kommunikative Aufgabe.“

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